Seit Sonntag sind in der Aalener Galerie Zaiß Acrylbilder, Tuschezeichnungen und Kleinplastiken zu sehen.Foto: Markus Lehmann

Wenn Untiefen ganz tief werden

Mit freundlicher Genehmigung der Aalener Nachrichten

Max P. Häring zeigt in der Galerie Zaiß Acrylbilder, Tuschezeichnungen und Kleinplastiken.

AALEN - Mit Max P. Häring setzt die Galerie Zaiß wieder einen Höhepunkt in der Aalener Kunstszene. Voller Tiefe sind die farbgewaltigen und vielschichtigen Landschaften, die seit Sonntag in der Galerie in der Langertstraße zu sehen sind.

Die Acrylbilder sind nur die eine Seite des Giengener Künstlers. Die andere sind seine Tuschezeichnungen, dynamische Metamorphosen, die Grafik und Surrealismus verschmelzen lassen. Die dritten im Bund sind seine Kleinplastiken. Was alle seine Techniken eint, ist die Raffinesse seines Arbeitsstils, hinter der viel Aufwand und Zeit steckt.

Nicht viele Künstler beherrschen diesen sicheren und souveränen Gang durch die Genres und die Arbeitsmittel. Beispiel Acrylmalerei: Hier zelebriert er Schraffuren, Spiegelungen, beinahe haptische Strukturen. Seine Vorliebe gilt dem Wasser. In zweierlei Weise: Acryl mit Wasser verdünnt schafft diese Mannigfaltigkeit der Farbtöne, die Transparenz des Lichts und diese atmosphärischen Elemente.

Als könne man bis auf den Meeresgrund blicken

Und sie gilt dem Meer, den Untiefen, den Reflexionen, den sich spiegelnden Findlingen darin, der Fähre darauf. Der Betrachter meint bei diesen Meeresansichten, bis auf den Meeresgrund blicken zu können. Die „Untiefe“ bekommt eine doppelte Bedeutung. Das größte Bild ist „Deep Water Horizon Desaster“ und zeigt die Ölplattform-Katastrophe von 2010 im Golf von Mexiko. Schwarzer Rauch, Trümmerteile, die wie Galgen wirken, fliegen durch die Gegend. In der Mitte das Zentrum der gleißend hellen Explosion. Wieder eine doppelte Bedeutung: Im Fokus die Vernichtung, der Tod für Arbeiter und die Umweltzerstörung. Aber auch die Supernova, in der nichts überleben kann. Doch aus ihr entstehen auch neue Elemente. Das Ganze wirkt auf den ersten Blick stilistisch wie ein Fantasy-Gemälde. Es ist aber eine Dokumentation. Denn daneben hängt ein Foto des Desasters.

Die Eiszeit-Findlinge im Meer wirken archaisch. Häring baut den urzeitlichen menschlichen Aspekt quasi vor seiner Haustür ein. Die Lonetalfigur, der Löwe aus der Vogelherdhöhle, ist mit ihren etwa 40 000 Jahren die älteste Skulptur der Menschheit. Er zentriert den Löwen, von dem der Kopf fehlt, im unteren Bilddrittel. Darum flankiert drehen sich Fragmente und Bruchstücke. Wie ein Puzzle aus der Ära der Eiszeitjäger.

Die Tuschezeichnungen zeigen Wüsten, dünenartige Landschaften oder eine menschliche Metamorphose. Auch hier fällt sofort die Akribie auf, mit der Häring ans Werk geht. Der war übrigens schon länger nicht mehr zu sehen in Aalen: Zuletzt war das 2005 in der Galerie Kirchner in Dewangen.von Markus Lehmann

Die Ausstellung endet am Sonntag, 11. November, mit einer Finissage ab 15 Uhr.

Infos: Galerie Zaiß, Langertstraße 44, Telefon 07361 / 32990, E-Mail galerie.zaiss@online.de oder unter www.galerie-zaiss.de.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.